• 23.04.2021
  • 04:36:30
Wie alles begann
Das FRF-Geschichtsbuch
Samstag
4
September
2004
Die Idee kam in der Luft
Karl-Heinz Sünkenberg drehte für RTL Punkt 12 eine Reportage über den Rettungshubschrauber Christoph 26. Mehrmals täglich startete der Flieger in Sanderbusch bei Wilhelmshaven, um Menschenleben zu retten. Karl-Heinz, für die Dreharbeiten aus München angereist, schaute sich während der vielen Flüge die wunderschöne Landschaft der friesischen Region von oben aus an und dachte sich, hier würden einem Kamerateam nie die Themen ausgehen. Dann stellte er die entscheidene Frage über Bordfunk an die Crew: "Gibt es bei euch eigentlich einen regionalen Fernsehsender?" Antwort aus dem Cockpit: "Nein."
Sonntag
14
November
2004
Erste Anfrage bei der Landesmedienanstalt
Die Idee ging Karl-Heinz Sünkenberg nicht mehr aus dem Kopf. Es folgten weitere Reportagen für RTL, doch die Küste ohne Fernsehsender ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Verliebt über beide Ohren in das Friesenland rief er gegen 10:30 Uhr bei der Landesmedienanstalt in Hannover an und teilte dort sein Vorhaben mit. Nach einem langen Gespräch wurde deutlich: So einfach ist das nicht mit dem Fernsehen in Niedersachsen. Regionales Fernsehen ist verboten - machbar wäre nur ein Mediendienst. Das bedeutete: Keine Reportagen, keine Nachrichten, keine Shows. Nur Bilder ohne Ton. Sünkenbergs Idee schien zu platzen.

Doch der Tag hatte auch etwas gutes. Zuvor hundert Mal gegrübelt, kam dann endlich vor einer roten Ampel wartend, der Name des Senders zutage: Friesischer Rundfunk
Mittwoch
24
November
2004
Erhebliche Probleme bei der Einspeisung bahnen sich an
Der erste Kontakt mit Kabel Deutschland wird aufgenommen und die Frage der technischen Umsetzung geklärt. Schnell war auch hier klar, dass es erhebliche Probleme geben wird. Weniger aus technischer Sicht bei der Einspeisung, sondern eher bei der Signalzuführung.

Alle Sender laufen in den Kopfstationen per Satellit ein. Das Signal wird dort aufbereitet und schließlich in das Kabelnetz geschickt - nur FRF1 würde über eine Kabelverbindung kommen.
Sonntag
26
Dezember
2004
Eine Entscheidung muss her
Eine ganze Region nur mit Bildern ohne Ton zu unterhalten, ist das möglich? Diese Frage hämmert pausenlos im Hirn von Fernsehproduzent Sünkenberg. Obwohl der Reportagenmacher und Dokumentarfilmer zu diesem Zeitpunkt schon seit fast zwei Jahrzehnten als Redakteur oder mit der Kamera durch die Gegend flitzt, kann er sich diese Frage nicht beantworten. Sünkenberg nimmt sich vor, bis Weihnachten darüber nachzudenken. Es stehen eine Menge Kraft, Energie und natürlich auch eine Menge Geld auf dem Spiel. Und nicht zu vergessen: Die vielen anderen Probleme mit der Einspeisung.

Kurz nach Weihnachten steht die Entscheidung: Mediendienst hin oder her - man muss die Menschen auch nur mit Bildern fesseln können. Sünkenberg macht sich die ersten Notizen und Zeichnungen, plant die Studios und ermittelt den Finanzbedarf.
Mittwoch
5
Januar
2005
Irgendwas geht immer
Es findet ein reger Briefwechsel zwischen der Landesmedienanstalt und Sünkenberg statt. Noch will der Fernsehmann nicht wahr haben, dass nur eine Mediendienst-Variante in Frage kommt, denn irgendwas geht doch immer. Doch hier merkt der gebührtige Niedersachse sehr schnell das Ende der Fahnenstange: Mediendienst und sonst geht nichts.
Mittwoch
2
Februar
2005
Naiv und blauäugig
Neben der Ausarbeitung für den Antrag eines Kabelplatzes beginnen die ersten Gespräche in der Region. Dazu muss Karl-Heinz Sünkenberg unzählige Male mit dem Auto die Strecke München - Ostfriesland fahren. Irgendwann hört er auf, die Fahrten zu zählen. Nun ist sein Ziel, auch die Kurverwaltungen mit in das Boot zu holen. Denkbar wäre die Montage von Kameras an den Küsten und in den Städten, um dann ein Livebild direkt in das Frühprogramm des Friesischen Rundfunks einzuspeisen. Immerhin wäre das eine enorme Werbung für die hiesige Region.
Montag
14
Februar
2005
Das berühmte Esenser Gespräch
In Esens findet ein Treffen statt. Dort will Sünkenberg das Projekt mit den Wetter-Kameras vorstellen und die Kurverwaltungen bitten, den Friesischen Rundfunk damit zu unterstützen. Insgesamt sind 14 Kurverwaltungen mitsamt Touristikabteilung eingeladen - es kommen je ein Vertreter von Bensersiel, Neuharlingersiel und Jever - die übrigen erscheinen nicht. Das Gespräch ist mehr als enttäuschend und der FRF1-Projektleiter wird förmlich vorgeführt. Sünkenberg ist völlig niedergeschlagen und fährt danach nach Dornumersiel in den Hafen. Mit feuchten Augen durchdenkt er nochmals seinen Plan. Hat er wirklich auf das richtige Pferd gesetzt? Oder kann er die geplanten Investitionen gleich in der Nordsee versenken? Wieso wollen die Menschen in dieser Region keinen eigenen Regionalsender? Karl-Heinz ist verzweifelt..

Einige Tage später bekommen die nicht erschienenen Kurverwaltungen Post aus Esens. Ein Stadtbediensteter war so freundlich und informierte die Kollegen über den Ausgang des Gesprächs. Gleichfalls wurde von dem Projekt Friesischer Rundfunk abgeraten. Über Nacht war keine Kurverwaltung mehr bereit, mit FRF1 gemeinsam den Weg zu gehen. Anrufe wurden nicht durchgestellt und man ließ sich verleugnen.

Doch die Esenser legten noch einen drauf und schickten auch einen Brief an einen Landrat - darin eine Bitte: Er solle sich doch beim NDR stark machen, damit Kameras an der Küste installiert werden können. Scheinheiliger ging es dann doch nicht mehr.
Dienstag
15
Februar
2005
Der Tag danach ...
Beim Frühstück im Hotel starrt Sünkenberg minutenlang durch das Fenster und sagt sich nach langen Überlegungen: "Okay, jetzt erst recht - ich zieh' das Ding durch - und wenn ich mir dafür einen Finger abschneiden muss."
Dienstag
15
Februar
2005
Anfrage an BBC World
Das wichtigste an einem Projekt für Regionalfernsehen ist nicht die Lizenz, sondern der Kabelplatz. Freiwillig gibt da kein Sender seinen errungenen Platz im Kabelfernsehen her. Trotzdem schickt Sünkenberg den Deutschland-Repräsentanten von BBC World eine Mail. Darin wird BBC World gebeten, pro Tag sechs Stunden Sendezeit an FRF1 abzugeben. Versuch macht klug ...
Mittwoch
16
Februar
2005
Erstes Treffen mit der Landesmedienanstalt
Mit dem ersten Sende-Konzept auf dem Rücksitz machte sich Sünkenberg auf den Weg nach Hannover. Das Gespräch verlief sehr freundlich und Sünkenberg hatte das gute Gefühl, dass man seinen Plan bei der Landesmedienanstalt sehr ernst nahm.
Freitag
18
Februar
2005
Nix mit Live - Satellit kostet 1,8 Millionen Euro
Inzwischen war klar, dass mindestens vier Kopfstationen von Kabel Deutschland angezapft werden müssen. Das einfachste wäre also gewesen, ein Netzwerk zu bilden und die Sendung live vom Funkhaus zu fahren. Das Problem zu diesem Zeitpunkt war: Man wusste noch nicht, wo der Friesische Rundfunk heimisch wird und dass es keine Kabelstränge im Sendeland gibt, die solche riesigen Datenmengen verschicken können. "Na, dann müssen wir wohl die Sendung mit der Wechselfestplatte ausfahren", sagte Sünkenberg in einer Besprechung bei einem Provider in Oldenburg, nachdem klar war, das mit LIVE nichts geht. Die Herren am Tisch lachten.

Am Abend traf eine E-Mail von einem Satellitenbetreiber mit dem angeforderten Kostenvoranschlag ein: 1,8 Million im Jahr.
Mittwoch
2
März
2005
Wirtschaftsförderer sind ihr Geld wert
Es folgten viele Telefonate mit Wirtschaftförderern aus den Städten Wilhelmshaven, Wittmund, Aurich, Emden und Leer. Dabei ging es nie um Geld, sondern ausschließlich nur um Räumlichkeiten. Die Damen und Herren sollten nur bei der Standortsuche behilflich sein. Und das, so meinte Sünkenberg naiv, wäre ja wohl das einfachste vom ganzen Projekt - ein paar Räume für FRF1 zu finden. Schließlich war es dann doch ein echtes Problem, weil kein Wirtschaftsförderer die Zeichen der Zeit erkannt hatte und sich kaum oder überhaupt nicht bemühte. Den Vogel schoss jedoch die Fachabteilung aus Wilhelmshaven ab. Nach der Nennung von drei Mietobjekten, die aber allesamt nicht in Frage kamen, fragte der Mann: "Haben Sie es schon einmal in einer anderen Stadt probiert?" In Emden bot man uns ein Objekt mitten auf dem Gelände einer Autoverladestation an. Eintritt nur mit Sonderausweis. Aurich winkte ab und Leer meldete sich erst gar nicht auf Anfrage per E-Mail. Niemand konnte sich vorstellen, welche Werbewirkung ein Fernsehsender in der eigenen Stadt oder Ortschaft erzielen kann.
Freitag
4
März
2005
BBC World antwortet
Eine Antwort von BBC World kommt ins Haus. Sie würden gern mehr Informationen haben und genaue Zahlen über die betroffenen Anschlüsse. Grundsätzlich wäre es denkbar, den Kanalplatz zu teilen - so die Aussage.
Samstag
5
März
2005
800 km für ein Mustervideo
Die Landesmedienanstalt möchte mit dem schriftlichen Konzept auch eine bildliche Darstellung des Programms. Daher reist Sünkenberg erneut an und jagt 14 Tage lang mit der Kamera durch das Land der Friesen um eine Mustersendung zu produzieren. Die Kamera wird oft von heimischen Menschen umringt die neugierig fragen, was denn da wohl gedreht wird.
Sonntag
20
März
2005
Standortsuche immer noch nicht abgeschlossen
Noch immer irrt Sünkenberg durch die Gewerbegebiete um nach Räumlichkeiten Ausschau zu halten. Da von den Städten keinerlei Unterstützung kommt, fahrt der Mann in Schrittgeschwindigkeit durch die Straßen und sucht gezielt leerstehende Immobilien.