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Sechs Stunden Zeit

Reinemachen auf Vogelschutzinsel (Teil 1)

Von NSN / 21.09.2021 / 15:13 Uhr

(Minsener Oog) Eigentlich könnte man meinen, dass das Minsener Oog ein Paradies für die Vögel und die Tierwelt im Allgemeinen ist. Die kleine ostfriesische Insel nahe Wangerooge ist für Menschen tabu, sodass sich die Natur hier frei entfalten kann. Und doch zeigt sich alljährlich, welchen Schaden die Menschheit der Umwelt zufügt, auch wenn sie gar nicht vor Ort ist.

Jedes Jahr fahren rund 65 Wattsegler des Segelvereins Soltwater e.V. mit ihren Booten in die Nordsee und lassen sich vor der Insel trocken fallen. Binnen sechs Stunden – solange dauert es, bis die Flut zurückkehrt – versuchen sie dann, so viel wie möglich der 3,7 Quadratmeter großen Insel zu reinigen. Was die Männer und Frauen dabei zu Tage befördern, ist erschreckend und beeindruckend zu gleich. Jährlich sammeln sie mehrere Tonnen an Müll ein. Im vergangenen Jahr waren es acht Tonnen, in diesem Jahr trotz der Reinigungsaktionen in der Vergangenheit sechs Tonnen. Zwar weniger als in 2020, aber in diesem Jahr wurde mehr darauf geachtet, den schweren nassen Sand zu entfernen. Die an für sich gesammelte Menge könnte sogar einen neuen Rekord aufgestellt haben.

Bei 200.000 Tonnen Müll alleine in der Nordsee jedes Jahr eine vergleichsweise kleine Zahl, doch dafür, dass der Mensch gar nicht auf der Insel lebt, sogleich erschreckend. Denn es zeigt auf, dass dieser Dreck ausschließlich vom Meer an die Küsten gespült wurde. Die Tiere nutzen diesen dann, um ihre Nester zu bauen. Doch die Brutstätte kann dabei zur Todesfalle werden. Denn Jungtiere können sich an den Plastikresten leicht strangulieren und ersticken qualvoll. Der Müll, der insbesondere von den Schutznetzen und deren Abriebteile der Hochseefischer stammt, ist also eine massive Gefahr für den Fortbestand der Tierwelt. Und auch der Mensch ist davon betroffen: Denn die Tiere nehmen das Plastik ebenfalls auf, landen auf dem Teller, sodass das so genannte Mikroplastik im menschlichen Körper gesammelt wird.

18 Big Bags an Müll haben die Segler auch am heutigen Samstag wieder gefüllt, sechs mehr, als letztes Jahr. Viele von ihnen haben aus der Vergangenheit bereits Erfahrung. Dennoch gab es für alle eine kurze Einweisung, ehe es mit den Tragetaschen die Küste entlang ging. Am frühen Samstagmorgen um 6 Uhr waren sie gestartet, um 14 Uhr ist man dann zurück. Mit dabei nicht nur das Wissen über den gesammelten Müll, sondern auch das schlechte Gewissen, dass der Mensch anscheinend die Zeichen der Zeit immer noch nicht ausreichend erkannt hat.