• 26.01.2022
  • 11:39:18
Liveblick startet demnächst
Das FRF-Liveblick-Tagebuch
Wie ein neues Sendeformat entsteht
Träume ohne Schlaf sind meistens romantisch. Man denkt sich etwas aus, schmiedet Pläne und stellt sich bildlich etwas vor. Solche Träume werden oft verworfen, weil sie unrealistisch oder unerreichbar sind. Ich bin Karl-Heinz vom FRF - und ich hatte bereits 2005 eine Ambition, die ich nie verworfen habe. In den vergangenen 16 Jahren wurde immer wieder dieser Traumgedanke hergeholt und wieder einmal verworfen. Es waren unterschiedliche Dinge, die klemmten. Zum einen war es die damalige Technik, dann war es der Personalaufwand, dann wieder die Technik. Ich rede von meinem Projekt Liveblick. Ziel sollte es sein, dass wir auf Panoramakameras an den Küsten zugreifen, die Streams im Studio bündeln und zu einer Sendung formen. Mit dieser Idee gründete ich 2005 den Fernsehsender "Friesischer Rundfunk" und fiel gleich zu Beginn auf die Schnauze. Wie man in unserem Geschichtsbuch nachlesen kann, kam es in Esens am Montag, den 14. Februar 2005 zu einem sehr unfreundlichen Gespräch. Ich habe den Fernsehsender trotzdem gegründet - aber ohne Liveblick.

Im Laufe der Jahre holte ich meine Pläne immer mal wieder aus der Schublade, packte diese aber schnell zurück, weil ich mal wieder auf Granit gebissen hatte. Für mein Projekt brauchte ich die Touristiker, die dieses Projekt unterstützen sollten und natürlich auch eine Zukunft darin sehen sollten. Dass ist mir bis heute nicht gelungen. Ein ziemlich bescheuertes Gefühl, wenn die Urlaubexperten sagen, dass sie keinen Vorteil bei diesem Projekt sehen und man nur noch der einzige Mensch auf dieser Erde ist, der daran fest glaubt. Aber irgendwie kenne ich das Gefühl bereits. Die Gründung vom FRF verlief ähnlich.

Man muss aber auch sagen, dass der FRF damals im Jahr 2005 sein Programm in nur rund 80.000 Haushalte einspeisen konnte. Heute sind es 4,3 Millionen - und das inzwischen querbeet durch Deutschland. Es gibt viele Zuschauer, die das Programm des Friesischen Rundfunks schauen, weil der Sender seit der Gründung extrem viele Heimatbilder sendet. Und da der FRF mitten in einem Urlaubsland residiert, schaut man gerne hin, denn irgendwie war jeder Bundesbürger irgendwann in diesem Landstrich unterwegs und sieht dann bei uns seinen alten oder ständigen Urlaubsort - oder vielleicht auch seinen zukünftigen Urlaubsort. Der FRF-Zuschauer hat also einen täglichen Blickkontakt in dieses Küstenland und womöglich meldet sich das Fernweh.

Nun ist die Zeit gekommen. Ich muss den Fernsehsender auf andere Beine stellen, denn ich sehe für einen Regionalfernsehsender in der bisherigen Sendeform keine Zukunft. Corona wird noch eine ganze Weile bei uns bleiben und somit muss ich auch weiterhin mit erheblichen Verlusten bei den Werbeerlösen rechnen. Über Nacht hatten damals alle Einzelhändler ausgebucht. Ich muss also ein Format entwickeln, dass viel mehr Menschen erreicht und gleichzeitig neue Werbepartner findet. Ich bin fest entschlossen, nun mein Projekt Liveblick zu starten. Meinen genauen Plan findet Ihr hier.
Hier nur die Eckpunkte: Sekundär laufen die Bilder der Panoramakameras und schalten im 60-Sekunden-Takt weiter zur nächsten Kamera. Diese Bilder werden live moderiert und mit Musik unterlegt. Jede Kamerafahrt kann sofort gestoppt werden, wenn sich im Bild etwas ereignet (z.B. Schiff fährt in die Schleuse ein). Im oberen Bild befinden sich zwei Standleisten und eine Laufleiste. So kommen wir nun in den primären Bereich des Formats. Dort werden aktuelle News aus dem FRF-Kernsendeland eingeblendet. Immer wenn Nachrichtenbilder von aktuellen Geschehnissen vorliegen, kommen diese gleich zur Sendung. Außenreporter werden per Skype oder Zoom zugeschaltet und können live über den Sender eine Lagemeldung abgeben. Kurzum: FRF wird zum Regional-Nachrichtensender, der sofort reagiert, wenn etwas passiert.
Entweder ich gehe mit meinem Traum baden oder ich erschaffe etwas, was noch nie im Regional-Fernsehen in Deutschland dagewesen ist. Mit diesem Tagebuch, dass am 01.03.2021 gestartet ist, möchte ich Euch meine Gedanken aufzeigen, meine Fehleinschätzungen offenlegen und mein Stimmungsbild dokumentieren.

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Erster Tagebucheintrag zuerst | Letzter Tagebucheintrag zuerst


Di
13.04.2021
Nun sind 20 Einheiten an der Wand, aber nur 19 laufen
Nun ist die Wand voll. Alle 20 Einheiten sind montiert.
Nun ist die Wand voll. Alle 20 Einheiten sind montiert.
Leider ist mir ein Raspberry PI hinten am Schacht zum Einschieben der Speicherkarte beim Einsetzen in das Gehäuse weggebrochen. Sicherlich kann man das wieder löten, jedoch ist mein Augenlicht überschaubar geworden. Vielleicht findet sich jemand mit einer ruhigen Hand und einem guten Auge. Ansonsten sind jetzt 20 Einheiten montiert. 16 für den täglichen Sendebedarf und vier zur Reserve, falls eine Kamera ausfällt.
Mi
14.04.2021
Stundenlange Updates blockieren die Programmierarbeiten
Der Schein trügt. Noch stehen vielen Arbeiten an.
Der Schein trügt. Noch stehen vielen Arbeiten an.
Heute habe ich die restlichen Rechner angeschlossen. Es sind jetzt genau 13. Einige waren seit Monaten nicht mehr im Betrieb. Ein Programmieren war nicht möglich, weil jeder PC sofort nach einem Update gerufen hat. Das hat Stunden gedauert. Mir sind auch einige Fehler aufgefallen, die mir bei der Planung passiert sind. So ist die Regie (vorn rechts) noch nicht so, wie ich mir das vorgestellt habe und die Monitore hinten unmittelbar vor der Monitorwand sind zu hoch. Ich habe auch gemerkt, dass ein einziges 19" - Rack nicht ausreicht. Es würde zwar funktionieren, aber um alles zu entzerren werde ich mir ein weiteres aus dem Lager holen.
Do
15.04.2021
Studioserver fährt nicht mehr hoch
Der Studioserver machte mir große Sorgen und kostete vier Tage Arbeit
Der Studioserver machte mir große Sorgen und kostete vier Tage Arbeit
In Amerika hat sich ein Unternehmen auf Regionalsender spezialisiert. Die Firma hat ein System entwickelt, dass komplett für kleine TV-Stationen zugeschnitten ist. Dazu gehören drei HD-SDI-Studioskameras, die fernbedienbar sind. Dann ein Server, ein Switcher, ein Panel und schließlich ein richtig gutes Software-Programm, das keine Wünsche offen lässt. Mit dieser Einheit kann man fast alle Sendeformen fahren. Dieses System kostet rund 50.000 EUR. Wir arbeiten seit 2011 mit diesem Equipment und habe jede Sendung damit aufgezeichnet. Bedeutet: 10 Jahre lang jeden Tag hochgefahren, Sendung produziert, wieder runtergefahren. Das System mit WindowsXP schnurrte wie ein Kätzchen. Ich habe ja bereits geschrieben, dass ich ein zweites Rack einsetzen wollte - genau, um diese Einheit dort zu montieren. Und so zog ich den Server vorsichtig aus dem alten Rack, setzte ihn ins neue Rack und drückte nach Montage der Kabelanschlüsse die Start-Taste. Er startete - aber er fuhr nicht mehr hoch. Mir blieb fast das Herz stehen, denn genau dieser Server dürfte mein wichtigstes Gerät beim FRF sein. Eine Neuanschaffung ist gerade jetzt in Coronazeiten mit den dazugehörigen schlechten Werbeeinnahmen nicht zu bewältigen.
Fr
16.04.2021
Backup setzt das System zurück ins Jahr 2011
Es blieb mir schließlich nur noch übrig, mit einer Backup-Datei zu arbeiten. Also leitete ich mit schlottrigen Knien den Rescue-Vorgang ein. Nach etwa 20 Minuten war wieder der Bildschirm sichtbar. Allerdings sah der so aus, wie bei der damaligen Installation im Jahr 2011. Ein Blick in die Systemdatei bestätigte meinen ersten Eindruck. Ich stand vor einem Server, der wie damals nichts konnte. Nur zum Unterschied zu damals, hatte ich keinen Treiber zur Hand und einen so alten Browser auf dem Server, der von keiner Webseite mehr akzeptiert wurde. Zehn Jahre kein Backup - das sollte sich jetzt rächen. Wer schon einmal versucht hat, einen alten PC zu retten, wird Mitleid mit mir haben. So ein Teil arbeitet im Schneckentempo und du suchst dir die Treiber aus der ganzen Welt zusammen. Ich saß die ganze Zeit nur noch vor dem Server, alle anderen Arbeiten blieben liegen.
Sa
17.04.2021
Zum Problem 1 kommt nun das Problem 2
Ich bin inzwischen voll frustriert. Diesen Samstag habe ich eigentlich anders eingeplant - ich hatte noch so viel andere Arbeit zu erledigen. Und so sitze ich wieder vor dem Server, schmeiße bereits installierte aber nicht funktionierende Treiber runter und lade neue Treiber drauf. Ständig Fehlermeldungen. Ich kriege echt die Krise. Schließlich denke ich mir, dass ich auch mal eine andere Arbeit machen muss, als ständig auf den Server zu starren. Also nehme ich mir den Master-PC her, um ihn zu konfigurieren. Master-PC deshalb, weil er in der Sendestraße ein sehr wichtiger Baustein ist. Der Computer soll vier Bildschirme haben, damit ich bei der Moderation der Live-Sendungen sofort alle wichtigen Infos zur Stelle habe. Ich hatte eine Quadro-Grafikkarte gekauft. Ein billiges Teil, aber ich wollte ja keine Games sondern einfach nur vier starre Bildschirme. Und so baute ich die alte Karte aus und die neue Karte ein. Anschlüsse ran, einschalten, Treiber-CD rein, installieren und fertig. Doch was einfach klingt, sollte in einem Desaster enden.
So
18.04.2021
Sonntag ist beim Fernsehen kein Feiertag.
Die unteren vier Monitore gehören alle zu einem Rechner
Die unteren vier Monitore gehören alle zu einem Rechner
Es lässt mir keine Ruhe. Eigentlich wollte ich den Sonntag anders verbringen, aber ich fahre wieder ins Funkhaus. Den defekten Server im Nacken, wollte ich unbedingt den Master-PC in Gang bringen. Da ständig Fehlermeldungen auftauchten und sich der Treiber der neuen Grafikkarte nicht installieren ließ, entschloss ich mich, den Rechner komplett neu aufzusetzen. Doch auch nach etwa fünf Versuchen, konnte ich Win10 nicht zurücksetzen. Also musste Google her, um eine Lösung zu finden. Die Lösung war dann ziemlich einfach. Hier für Menschen, die auch mal Probleme damit haben. In die Eingabeaufforderung folgende Zeilen eingeben:
cd %windir%system32config
ren system system.001
ren software software.001
Nach dem Reset ließ sich die Treiber-CD problemlos installieren. Der Rest war ein Kinderspiel. Nun leuchten sie vor mir. Alle vier Bildschirme sind einsatzbereit. Welche Funktionen diese Bildschirme haben werde ich später genau erklären.
Mo
19.04.2021
Ich habe meinen Server wieder
Andere schenken sich Sekt ein. Ich gönne mir einen Nudelsalat.
Andere schenken sich Sekt ein. Ich gönne mir einen Nudelsalat.
Ich will die Stunden nicht zählen. Ich will auch nicht alles auflisten, was ich unternommen habe. Nach drei Tagen hin und her läuft der Server wieder wie früher. Minutenlang schaue ich auf den Bildschirm und bewundere, was ich dort sehe. Alles so wie früher. Die Kameras lassen sich leider noch nicht wieder ansteuern, trotzdem ist das FRF-Leben zu 50 Prozent gerettet. Kurz vor 21.00 Uhr schließe ich das Funkhaus ab, halte bei NETTO und lege mir Nudelsalat aus dem Spreewald und die guten HOWE-Nürnberger Rostbratwürstchen (die Firma von Uli Hoeneß) in den Einkaufswagen, fahre heim und schmeiß die Pfanne auf den Herd. Ich bin so froh, dass der Server wieder läuft - das glaubt mir kein Mensch.
Di
20.04.2021
Jetzt fehlt nur noch der Ton
Nun ist das neue Studio kurz vor der Vollendung
Nun ist das neue Studio kurz vor der Vollendung
Alle Videosignale sind nun angeschlossen. Jetzt fehlt noch der Ton. Der Tonmischer bekommt vier Signale. Ein Rechner liefert die Musik, ein weiterer PC kümmert sich um die Jingles. Hinzu kommen zwei Headsets für die Moderation bzw. für einen Studiogast. Die Tonleitung läuft über einen Limiter, einem Wächter und schließlich muss ein Peaker angedockt werden. Der kleine Tisch rechts im Bild ist mein zukünftiger Moderationstisch. Von dort aus moderiere ich in Zukunft die tägliche FRF-Sendung. Kurzum: Tagsüber, wenn Liveblick läuft, hocke ich im hellen Sessel und wenn die eigentliche Sendung aufgezeichnet wird, wechsele ich in den schwarzen Bürostuhl. Besonders zu erwähnen ist, dass ich dann direkt vor mir einen Bildmischer habe. So kann ich selbst eine Bildquelle wählen und zwischen drei Kameras umschalten. Dass der Moderator selbst das Bild mischt, dürfte in Deutschland einmalig sein.
Mi
21.04.2021
Ton ist an und plötzlich aus
Seit acht Jahren beim FRF im Einsatz: Mini Converter SDI to Audio
Seit acht Jahren beim FRF im Einsatz: Mini Converter SDI to Audio
Ich voll der Fan von Blackmagic Design. Der FRF hat im Laufe der Zeit viele Mini Converter für unterschiedliche Zwecke angeschafft. Bei einem SDI-Signal läuft Bild und Ton in einer Leitung zusammen. Um den Ton zu kontrollieren, muss man also auch an den Ton herankommen - z.B. um ein Peakmeter anzuschließen. Die Installation ist denkbar einfach. SDI-Signal rein, Klinke rein und Netzteil mit 12V anschließen. Der Converter ist beim FRF schon seit acht Jahren im Einsatz. Heute habe ich den Limiter, den Wächter und ein Peakmeter montiert und die Verbindungen mit XLR-Kabel bestückt. Sofort war beim Peakmeter ein Ausschlag zu sehen. Alles gut. Etwa 10 Minuten später alles aus. Ich habe nach dem Fehler gesucht, wie ein Irrer. Alle Steckverbindungen raus, wieder rein, Limiter raus wieder rein und beim Wächter die gleichen Maßnahmen. Nichts passierte. Die Converter von Blackmagic Design haben den Nachteil, dass sie zwar eine Kontrollleuchte haben, die aber nur mit einer Lupe zu finden ist. Nachdem alle Versuche den Ton wieder rauszukriegen, gescheitert waren, tausche ich das Netzteil. Bum - Ton wieder da. Also ich habe es in meiner Fernsehzeit noch nicht erlebt, dass ein kleines 12V Netzteil schlapp macht. Nun gut, Ton ist jedenfalls jetzt startklar. Ein Converter kostet im Schnitt etwa 200,00 EUR.
Do
22.04.2021
Rückschlag
Zwei Monitore liegen auf der Erde. Der Tisch wurde durch den Aufprall regelrecht von der Bühne gestoßen.
Zwei Monitore liegen auf der Erde. Der Tisch wurde durch den Aufprall regelrecht von der Bühne gestoßen.
Beim Verrücken der Traverse ist ein Element gebrochen und hat mit voller Wucht den Regietisch in der Sendestraße getroffen. Daher konnte die Sendung heute erst eine Stunde später an den Start gehen. Der Schaden ist überschaubar. Jedoch musste ich einige Geräte austauschen, um eine Aufzeichnung der Sendung zu ermöglichen.