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Springer wird zum Springer

90-Jähriger Ewald Springer bekommt zum Geburtstag von seiner Enkelin Kathi einen Tandem-Fallschirmsprung geschenkt

Von NSN / 04.10.2021 / 16:11 Uhr

(Ganderkesee) Was schenkt man einem Senior zum Geburtstag, der mit 90 Jahren noch fitter als so mancher 70-Jähriger ist? Eine Sammlung an Süßigkeiten? Ein gemeinsames Essengehen? Ein Trip in die Berge oder ans Meer?

Für Ewald Springer wäre das alles nichts gewesen. Denn sein hohes Alter sieht man ihm nicht an und auch sein Körper und Geist sind noch voller Tatendrang. Und so kam es, dass Ewald mit seiner Enkelin Kathi vor zwei Monaten am Küchentisch saß und sie ihn fragte, was er im Leben noch machen möchte: „Ich habe dabei selbst nachgedacht und aus Spaß gefragt, was mit Bungeejumping oder Fallschirmspringen sei.", so die Enkelin "Da meinte er, dass er kein Bungeejumping machen will - aber so ein Fallschirmsprung, das wäre etwas.“

Und so begann Kathi zu planen, zu organisieren und bei ihrer Familie Geld zu sammeln. Das Resultat dieser Aktion spürte Ewald am Wochenende am eigenen Leib. Denn da fand er sich auf dem Flugplatz Ganderkesee wieder. Mit dabei seine gesamte Familie und damit ein Großteil seiner fünf Kinder, elf Enkel und sechs Urenkel. Doch bevor es in schwindelerregende Höhen ging, galt es für den pensionierten Baggerfahrer erst einmal, ganze neue Techniken zu erlernen. Trainer Friedrich Frefer lernte ihn, aber auch seinen Sohn und sein Enkel Marius professionell an und erklärte, worauf es ankommt: „Körperlich ist das, solange der Kreislauf gut ist, kein Problem. Das Wichtigste ist, dass sie Füße und Knie hochbekommen, da hier das Verletzungsrisiko besonders hoch ist.

Nur kurze Zeit später fand sich Ewald Springer vor dem Flugzeug. Auf dem Kopf hat er dabei eine Fliegerkappe, sein Körper ist in einen Sprungoberteil eingepackt. Doch selbst hier ist von Aufregung noch keine Spur: „Ich komme ja auf jeden Fall runter. Wie, das weiß ich noch nicht.““

Letztendlich war es Friedrich Frefer, der für den berühmten ersten Schritt sorgte: „Das Problem war sein Hörgerät. Er hat am Schirm nichts verstanden, weil er es ganz leise gedreht hatte.“ Das trübte den Absprungspaß jedoch ebenfalls nicht das Geringste. „Wunderbar! Wie soll ich das beschreiben, so durch die Wolken zu fallen“, ist Ewald von seinem Absprung begeistert. Während er im Flug durchaus etwas bleich um die Nase wurde, hat er am Boden den Humor schnell zurückerlangt: „Ich bin vollkommen kaputt. Aber, nächste Woche mache ich das wieder.“ Und auch von Tandemlehrer Friedrich gibt es Lob und Anerkennung: „90 Jahre ist schon ungewöhnlich. Aber Ewald hat das gut gemacht.“ Ähnlich sah dies Enkelin Kathi, die kurzerhand den Flugplatz zur Geburtstagslocation umwandelte, um dort zu feiern und mit den anderen Familienmitgliedern zu picknicken. Und mit etwas Abstand gibt auch Ewald Springer Entwarnung: „Der Opa braucht das nicht wieder. Das ist mir zu kalt. Für den Alten viel zu kalt, wenn du aus dem Flugzeug kommst.“ Doch auch das relativiert er gegenüber Friedrich Frever schmunzelnd rasch: „Okay, wenn ich 100 werde, dann komme ich wieder.“