• 18.05.2022
  • 11:34:24
Liveblick startet demnächst
Das FRF-Liveblick-Tagebuch
Wie ein neues Sendeformat entsteht
Träume ohne Schlaf sind meistens romantisch. Man denkt sich etwas aus, schmiedet Pläne und stellt sich bildlich etwas vor. Solche Träume werden oft verworfen, weil sie unrealistisch oder unerreichbar sind. Ich bin Karl-Heinz vom FRF - und ich hatte bereits 2005 eine Ambition, die ich nie verworfen habe. In den vergangenen 16 Jahren wurde immer wieder dieser Traumgedanke hergeholt und wieder einmal verworfen. Es waren unterschiedliche Dinge, die klemmten. Zum einen war es die damalige Technik, dann war es der Personalaufwand, dann wieder die Technik. Ich rede von meinem Projekt Liveblick. Ziel sollte es sein, dass wir auf Panoramakameras an den Küsten zugreifen, die Streams im Studio bündeln und zu einer Sendung formen. Mit dieser Idee gründete ich 2005 den Fernsehsender "Friesischer Rundfunk" und fiel gleich zu Beginn auf die Schnauze. Wie man in unserem Geschichtsbuch nachlesen kann, kam es in Esens am Montag, den 14. Februar 2005 zu einem sehr unfreundlichen Gespräch. Ich habe den Fernsehsender trotzdem gegründet - aber ohne Liveblick.

Im Laufe der Jahre holte ich meine Pläne immer mal wieder aus der Schublade, packte diese aber schnell zurück, weil ich mal wieder auf Granit gebissen hatte. Für mein Projekt brauchte ich die Touristiker, die dieses Projekt unterstützen sollten und natürlich auch eine Zukunft darin sehen sollten. Dass ist mir bis heute nicht gelungen. Ein ziemlich bescheuertes Gefühl, wenn die Urlaubexperten sagen, dass sie keinen Vorteil bei diesem Projekt sehen und man nur noch der einzige Mensch auf dieser Erde ist, der daran fest glaubt. Aber irgendwie kenne ich das Gefühl bereits. Die Gründung vom FRF verlief ähnlich.

Man muss aber auch sagen, dass der FRF damals im Jahr 2005 sein Programm in nur rund 80.000 Haushalte einspeisen konnte. Heute sind es 4,3 Millionen - und das inzwischen querbeet durch Deutschland. Es gibt viele Zuschauer, die das Programm des Friesischen Rundfunks schauen, weil der Sender seit der Gründung extrem viele Heimatbilder sendet. Und da der FRF mitten in einem Urlaubsland residiert, schaut man gerne hin, denn irgendwie war jeder Bundesbürger irgendwann in diesem Landstrich unterwegs und sieht dann bei uns seinen alten oder ständigen Urlaubsort - oder vielleicht auch seinen zukünftigen Urlaubsort. Der FRF-Zuschauer hat also einen täglichen Blickkontakt in dieses Küstenland und womöglich meldet sich das Fernweh.

Nun ist die Zeit gekommen. Ich muss den Fernsehsender auf andere Beine stellen, denn ich sehe für einen Regionalfernsehsender in der bisherigen Sendeform keine Zukunft. Corona wird noch eine ganze Weile bei uns bleiben und somit muss ich auch weiterhin mit erheblichen Verlusten bei den Werbeerlösen rechnen. Über Nacht hatten damals alle Einzelhändler ausgebucht. Ich muss also ein Format entwickeln, dass viel mehr Menschen erreicht und gleichzeitig neue Werbepartner findet. Ich bin fest entschlossen, nun mein Projekt Liveblick zu starten. Meinen genauen Plan findet Ihr hier.
Hier nur die Eckpunkte: Sekundär laufen die Bilder der Panoramakameras und schalten im 60-Sekunden-Takt weiter zur nächsten Kamera. Diese Bilder werden live moderiert und mit Musik unterlegt. Jede Kamerafahrt kann sofort gestoppt werden, wenn sich im Bild etwas ereignet (z.B. Schiff fährt in die Schleuse ein). Im oberen Bild befinden sich zwei Standleisten und eine Laufleiste. So kommen wir nun in den primären Bereich des Formats. Dort werden aktuelle News aus dem FRF-Kernsendeland eingeblendet. Immer wenn Nachrichtenbilder von aktuellen Geschehnissen vorliegen, kommen diese gleich zur Sendung. Außenreporter werden per Skype oder Zoom zugeschaltet und können live über den Sender eine Lagemeldung abgeben. Kurzum: FRF wird zum Regional-Nachrichtensender, der sofort reagiert, wenn etwas passiert.
Entweder ich gehe mit meinem Traum baden oder ich erschaffe etwas, was noch nie im Regional-Fernsehen in Deutschland dagewesen ist. Mit diesem Tagebuch, dass am 01.03.2021 gestartet ist, möchte ich Euch meine Gedanken aufzeigen, meine Fehleinschätzungen offenlegen und mein Stimmungsbild dokumentieren.

Wie möchstest du die Tagebucheinträge lesen?

Erster Tagebucheintrag zuerst | Letzter Tagebucheintrag zuerst


Mo
24.05.2021
Nachricht kopieren und in die Eingabe-Maske einfügen funktioniert nicht - Lösung muss her
Im Hintergrund arbeiten SQL-Dateien mit ASP.  Sie erkennen Leerzeichen und Absätze im Text automatisch und lösen dieses Problem.
Im Hintergrund arbeiten SQL-Dateien mit ASP. Sie erkennen Leerzeichen und Absätze im Text automatisch und lösen dieses Problem.
Das Eintippen in die Nachrichtenmaske ist kein Problem. Jedoch gibt es auch Meldungen, die man einfach nur kopieren möchte um sie dann mit PASTE in die Maske einzufügen. Leider funktioniert das nicht immer, weil beim Kopieren schnell zwei oder drei Absätze drin sind und dann das System die Nachricht nicht in die erste Zeile schreibt, sondern diese auf mehrere Zeilen verteilt. Auch zu viele Leerzeichen verhindern die richtige Eingabe. Daher habe ich ein Script geschrieben, bei dem der Text vor dem Erreichen der Datenbank zerlegt wird. Dort werden alle Umbrüche und zu viele Leerzeichen aus dem Text genommen, in die richtige Reihenfolge gelegt und mit einem Punkt beendet. Hier ein Beispiel:

Aus
Aurich:     Banküberfall
in der    Ameisenstraße    Täter
flüchtet     mit Sportwagen

wird
Aurich: Banküberfall in der Ameisenstraße. Täter flüchtet mit Sportwagen.

Nun kann man ohne groß zu überlegen, einen völlig unformatierten Text in die Maske legen und losschicken. Die Dauer für diese Format-Programmierarbeiten: Ein Wochenende.
Di
25.05.2021
Soziale Kanäle werden wieder langsam aktiviert
398 User warten auf meiner privaten Facebookseite auf Freigabe. Manche Anfragen sind schon über einen Jahr alt. Aber ich erst jemanden wieder reinlassen, wenn ein Freund geht.
398 User warten auf meiner privaten Facebookseite auf Freigabe. Manche Anfragen sind schon über einen Jahr alt. Aber ich erst jemanden wieder reinlassen, wenn ein Freund geht.
Ich habe drei Facebookseiten. Zwei offizielle Seiten wie z.B. den Friesischer Rundfunk mit rund 15.000 Freunden und Karl-Heinz Sünkenberg mit etwa 7.000 Freunden. Dann habe ich noch eine alte private Seite mit 5.000 Freunden, mehr kann man dort nicht annehmen. Während ich die offiziellen Seiten sträflich vernachlässige (kann man auch an der niedrigen Anzahl der Freunde erkennen), poste ich häufig auf meiner privaten alten Seite, um Stimmungsbilder einzufangen. Dort teste ich auch Gags aus und der treue Zuschauer kann bestätigen, wenn dieser Gag dort gut läuft, findet man ihn auch am nächsten Tag in meiner Sendung wieder. Und man kann auch sagen, dass ich dort nie einen bösen Satz gelesen habe. Aber auf den offiziellen Seiten geht hingegen die Post ab und dazu habe ich einfach keine Lust mehr. Während ich auf meiner privaten Seite selbst bestimme, wer dort sein darf, so kann sich auf den offiziellen Seiten jede/r einloggen. Das Problem ist einfach zu beschreiben. Dumme Menschen wissen nicht, dass sie dumm sind und meinen bei jedem Posting ihren unsinnigen Senf abzugeben. Und daher habe ich mich in den letzten Jahren immer mehr von den offiziellen Seiten zurückgezogen. Ich wollte mich einfach nicht mehr aufregen und die Nacht in Ruhe verbringen. Fernsehen ist wie Fußball. Jeder weiß, wie es geht.

Ich wage es nun wieder, dort einzusteigen. Liveblick wird nur funktionieren, wenn die Zuschauer agieren und bei den Sendungen mitmachen. Vielleicht kann ich einige mitziehen, dass neue Format zu begleiten und vielleicht auch als Fan zu gewinnen. Daher habe ich mich heute das erste Mal dort wieder gemeldet und ein Foto vom neuen Studio gepostet. Demnächst werde ich dort weitere Einzelheiten des neuen Formats veröffentlichen. Mal sehen, wo die Reise auf den sozialen Kanälen hingeht. Aber eines weiß ich jetzt schon. Läuft das wieder wegen Dummköpfen aus dem Ruder, werde ich mich erneut zurückziehen. Nichts ist schlimmer, als ein fieser Kommentar kurz vor dem Schlafen gehen.
Mi
26.05.2021
Hintergrundwand für den Talkbereich ist fertig
Richtig schick ist die verkleidete Wand geworden.
Richtig schick ist die verkleidete Wand geworden.
Auch wenn es nur eine Fototapete ist, sieht man erst auf dem zweiten Blick, dass es keine echten Steine sind. Vor dieser Wand soll der Talkbereich entstehen. Also zwei Sessel, ein kleiner Tisch und ein Moderationspult werden dort Platz finden. Das Talkformat heißt "Termin bei Karl-Heinz" und die Gäste sollen querbeet aus dem Kernsendeland kommen. Ich will dieses Format als Füller für die Liveblicksendungen benutzen.
Do
27.05.2021
Aus Scouts werden FRF-Komplizen
Auf der Übungswebseite kann ich Fehler gleich korrigieren und dem Verfasser mitteilen.
Auf der Übungswebseite kann ich Fehler gleich korrigieren und dem Verfasser mitteilen.
Nach meinen Aufruf im TV haben sich inzwischen zehn Zuschauer bei mir per E-Mail gemeldet. Darauf war ich vorbereitet und hatte vorab eine Standard-Rückmail entworfen. Darin beschreibe ich ausführlich den Job und gebe ein paar Regeln mit auf dem Weg, wie mit den Nachrichten umgegangen werden soll. Gleichfalls habe ich eine Übungswebseite programmiert, deren Link ich gleich mitliefere. Dort können die Probanden aktuelle Presseberichte lesen und sie zu einer kurzen Nachricht für das Laufband formen und diese in eine Maske eintragen. Ich schaue mir dann die Meldungen an, korrigiere sie ggf. und die Übenden können gleich in roter Schrift erkennen, welchen Fehler sie gemacht haben. Außerdem ist es mir in den Sinn gekommen, die Scouts zukünftig beim FRF Komplizen zu nennen.
Fr
28.05.2021
Auf den Punkt kommt es an
Ich habe eigens eine Seite für die Regeln ins Netz gestellt, mit der Bitte, dass diese auch von den Protagonisten genutzt wird. Eine ganz einfache Regel ist z.B. das wir beim FRF grundsätzlich immer nur Pkw oder Lkw schreiben und nicht PKW oder LKW. Jede Redaktion hat ihre eigene Vorgehensweise. Es gibt bestimmte Wörter, bestimmte Satzstellungen oder bestimme Ansagen, die eingehalten, weggelassen oder zugefügt werden sollten. Eine weitere wichtige Regel beim FRF "Jeder Satz wird mit einem PUNKT abgeschlossen". Gut. Man könnte annehmen, dass man das automatisch macht. Aber ich sage euch, nichts ist normal. Wenn ich dann am Moderationsplatz sitze und eine Liveblick-Sendung moderiere und vor mir läuft dann ein Satz durch die Laufleiste und der Satz hat mal wieder am Ende keinen Punkt, dann könnte ich durchdrehen. Ich kann nicht mehr eingreifen, die Meldung ist durch. Nicht nur ich sehe das. Tausende Zuschauer auch. Abgesehen vom Punkt, ist nichts schlimmer, als einen Rechtschreibfehler im Laufband. Voll peinlich.
Sa
29.05.2021
Feierabend weit nach Mitternacht
Mit der Eingabe eines Passwortes kann der Komplize seine eigenen Seiten erreichen.
Mit der Eingabe eines Passwortes kann der Komplize seine eigenen Seiten erreichen.
Ich nehme mir den gesamten Samstag vor, für die Scouts einen separaten Bereich zu programmieren. So hat dann jeder Mitarbeiter einen eigenen Zugang, mit dem man mit der Eingabe von einem Passwort zu seinem Account kommt. Dort hat jeder seine Tools, die er zum Erstellen von Nachrichten braucht. Am Sonntag um 02:37 war die letzte Programmierung geschafft und ich konnte ins Bettchen gehen.
So
30.05.2021
Aufstehen, duschen und weiter geht es
Jeder Komplize hat ein eigenes Arbeitsmenü mit allen Links, die eine Hilfe für seine Arbeit bieten.
Jeder Komplize hat ein eigenes Arbeitsmenü mit allen Links, die eine Hilfe für seine Arbeit bieten.
Als ich nach dem Aufstehen und Duschen mit einer Tasse Kaffee vor meinem Samstagswerk sitze, denke ich mir, da müsste noch das, das und das noch rein. Und so mache ich mich erneut an diese Seiten heran und füge meine Ideen ein. Ruckzuck ist auch der Sonntag dahin. Aber ich wollte diese Zugangsseiten unbedingt an diesem Wochenende fertig haben.
Mo
31.05.2021
Aus 10 werden 5
Einige Bewerber griffen gleich zur Tastatur, andere wurden nie mehr gesehen und wieder andere angehende Scouts hatten einfach nicht das Zeug, Nachrichten in kurze Zeilen zu verfassen. Obwohl ich jede Meldung bei mir in der Sendestraße checke, kann ich aber auch einen Fehler übersehen und eine Meldung per Mausklick freigeben, die aber einen gewaltigen Haken beinhaltet. Daher wäre es vom großen Vorteil, dass die Fehler bereits vom Verfasser erkannt und korrigiert wird. Die fünf verbliebenen Komplizen machen aber einen guten Job. Ich kann zur ersten Testsendung um 11:00 Uhr genau 49 Meldungen aus dem Kernsendeland für das Laufband freigeben. Im Prinzip haben wir das FRF-Kernsendeland durch fünf geteilt und jedem Komplizen ein Gebiet zugeteilt. Jedes Gebiet hat meistens drei Landkreise oder zwei Landkreise und eine kreisfreie Stadt. Sämtliche Pressemeldung von Behörden, Vereinen und Wirtschaft aus diesem Gebiet werden durchforstet, auf Wichtigkeit geprüft und schließlich zu Papier gebracht - in unserem Fall eingetippt.
Mo
07.06.2021
Programmierarbeiten nehmen viel Zeit in Anspruch
Letzte Woche gab es kaum Tagebucheinträge. Im Prinzip gab es auch kaum etwas zu berichten, da ich mitten in weiteren Programmierarbeiten stecke. Diesmal nicht für die FRF-Komplizen, diesmal für mögliche Liveblick-Kunden. Ziel soll es sein, einen möglichen Kunden einen passwortgeschützten Zugang zu bieten, wobei sich hinter der Schranke alle möglichen Tools befinden, um mich im Funkhaus zu entlasten. Geplant ist, dass die Kunden, während ihr Livebild im TV zu sehen ist, auch einen Terminhinweis für ihren Kamerastandort einblenden lassen können. Diesen Hinweis können nun die Kunden selbst auf ihren individuellen Zugangsseiten administrieren. Wenn der Vorgang abgeschlossen ist, reicht ein Klick und der Terminhinweis landet beim FRF in der Grafikabteilung. Und nun könnt ihr raten, wer dort sitzt, den Hinweis sichtet und ihn in die Sendung einbettet? :-)
Di
08.06.2021
Fernsehpolizei prüft Liveblick 1/2
Seit der Gründung des Friesischen Rundfunks war der Fernsehsender ständig im Kontakt mit der Aufsichtsbehörde. In unserem Fall ist das die Niedersächsische Landesmedienanstalt in Hannover. Gerade in der Anfangszeit, als wir noch ohne Ton senden mussten, gab es oft Probleme. Die örtlichen Zeitungen überzogen uns damals mit Anzeigen. Und jedes Mal musste die NLM überprüfen, ob das FRF-Programm dem Gesetz entspricht. Wir durften ja nicht lippensynchron senden. Heute kaum noch vorstellbar. Kleines Beispiel: Wenn eine Musikkapelle durch das Bild marschierte, durfte man sie nicht hören. Interviews waren total verboten. Man sah also die Bilder und unten in einer Laufleiste lief der redaktionelle Text durch. Nun kann man sich gut vorstellen, dass es wirklich nicht so einfach war, eine Sendung zu fahren, ohne gegen das Gesetz zu verstoßen. Aber erst mit der Änderung des Mediengesetzes durften Regionalfernsehsender in Niedersachsen ein vollwertiges Programm ausstrahlen. Inzwischen hat der FRF 15 Jahre auf dem Buckel und ist somit der älteste Regionalsender im Bundesland Niedersachsen und gleichzeitig auch der Sender mit dem größten Kern-Sendegebiet.

Damals hat die NLM den FRF sehr unterstützt und die Juristen dort mussten den Friesischen Rundfunk oft neu eingleisen. Schließlich haben wir täglich ein richtig gutes Programm ohne Ton abgeliefert, ohne mit dem damaligen Mediengesetz anzuecken. Diese gute Zusammenarbeit wurde bis heute fortgeführt. Die Mannschaft in Hannover weiß alles über den Friesischen Rundfunk, weil ich sehr offen mit Zahlen, Daten und Fakten umgehe. Jede Veränderung des Programms melde ich weiter und gleichfalls folge ich ohne wenn und aber auch deren möglichen Anordnungen. Steht Ärger ins Haus, empfinde ich es als meine Pflicht, auch die NLM zu informieren.